Zahlen und Geschichte

Die sympathische Gemeinde Stöttwang befindet sich im Herzen des Ostallgäus. Geprägt wird das Bild des Ortes von zahlreichen sehens­werten Kirchen und Kapellen. Die bekannteste unter ihnen ist die prächtige Barock­kirche St. Gordian und Epimach, im Volks­mund auch "Die kleine Wies" genannt, mit ihrem weit sicht­baren grünen Kupfer­dach. Eingebettet in die wunder­bare, saftiggrüne Allgäuer Land­schaft und mit der Nähe zu den über die Landes­grenzen hinaus bekannten Schlössern Neu­schwan­stein und Hohen­schwan­gau ist Stöttwang ein attraktiver Wohnort.

Chronik der Gemeinde Stöttwang

Wie aus alten Aufzeichnungen zu ent­nehmen ist, gründeten Missions­mönche etwa im letzten Drittel des 8. Jahr­hun­derts ein Eigen­klösterchen mit einer Marien­kirche. Der Eigen­tümer des Grundes übergab diese Missions­zelle Karl dem Großen und machte sie dadurch zu einem "könig­lichen Gottes­haus" bzw. einem Reichs­kloster für Bene­diktiner. Es wurde von Ludwig dem Frommen im Jahre 831 mit all seinen Rechten und Besitz dem Kloster Kempten über­eignet und die in ihm weilen­den Mönche der Gewalt und Leitung des Kemptener Abtes unterstellt.

Als Kloster blieb Stöttwang zunächst noch eine Probstei des Klosters Kempten, bis diese 1386 auch den letzten Besitz­rest zu Lehen vergab. Dieses Lehens­recht gab Kempten erst 1692 zugunsten des Spitals Kauf­beuren auf, behielt aber von seinem Stött­wanger Besitz noch den Kirch­platz und das Patronats­recht bis 1803.

Gemeindechronik - das Buch

Der Chronik-Arbeitskreis der Gemeinde hat eine umfassende, reichbebilderte Chronik in Buchform herausgegeben.

Weitere Informationen

 

Die Wappen

Das Stöttwanger Wappen

Das Wappen der Gemeinde Stöttwang ist geteilt: Oben in Rot ein sechsstrahliger goldener Stern, unten in Blau ein wachsender goldener Abt-Stab. Auf der Teilungslinie schräg gekreuzt ein gestürztes silbernes Schwert und silberner Palmzweig.

Das Stift Kempten hatte im Gebiet der Gemeinde Stöttwang umfangreichen Besitz, der durch einen Probst verwaltet wurde. Auf diese Beziehungen weisen die Farben Rot und Blau des alten Kemptener Wappens im Gemeindewappen hin. Der sechsstrahlige goldene Stern im oberen Wappenfeld ist dem Wappen der Reichsstadt Kaufbeuren entnommen, die bis 1803 die niedere Gerichtsbarkeit in der Gemeinde ausübte. Das Wahrzeichen der Gemeinde, die Pfarrkirche, die den Hl. Gordian und Epimachus geweiht ist, ist durch die Attribute der beiden Heiligen - Schwert und Palmzweig - im Wappen vertreten. Auf ihren Erbauer, den Pfarrer Johann Martin Klein, weist im Gemeindewappen der wachsende Abtstab hin, der dessen persönlichem Wappen entnommen ist.

Das Thalhofener Wappen

Goldener Stern auf rotem Grund für die Zugehörigkeit zur Freien Reichsstadt Kaufbeuren. Drei blaue Wellen als Symbol für die Gennach. Rot und weiß als Hintergrund für Beziehungen zum Hochstift Augsburg als Grundherr.

Die Ortsteile

Stöttwang

Das Straßendorf Stöttwang verfügt als Namensgeber und Hauptgemeinde über den Verwaltungssitz, den Grundschul- und Kindergartenstandort, sowie über zwei florierende Gastwirtschaften.

Die drittälteste Urkunde im Allgäu mit der Namensnennung von „Stetiwanc“ beurkundet die Schenkung des schon Ende 700 durch Missionsmönche gegründeten kleinen Benediktinerklosters anno 831 durch Ludwig den Frommen an das Kloster Kempten. Der Urmaierhof muss zu diesem Zeitpunkt bereits bestanden haben. Die Besiedlung der „offenen Grasfläche/Halde/Aue“ als Deutung der Ortsnamensendung „wang“ auf dem Moränenausläufer unterhalb der Melter reicht ausweislich von Bodenfunden und Grabhügeln bis in die Jungsteinzeit und die Bronzezeit zurück. Das hier ansässige niedere Ministerialengeschlecht der Truchsessen der Abtei Kempten verzog 1326 nach Kaufbeuren und erhielt dort das Bürgerrecht. Im Lauf der Geschichte stand Stöttwang dann unter der Territorialhoheit der Reichsstadt Kaufbeuren, welche auch die hohe Gerichtsbarkeit besaß. Das Niedergericht besaß das Heilig-Geist-Spital Kaufbeuren. Überwiegende Grundherren waren Kaufbeurer Bürger, das Hochstift Augsburg und St. Ulrich aus Augsburg. 1361 wird ein Ulrich der Honold von Stöttwang erwähnt. Der Sitz des Ammanns befand sich im Maierhof, heute Pfarrer-Klein-Straße 2. Über einen Burgstall und eine Abschnittsbefestigung auf der Melter auf dem östlichen Höhenzug bestehen keine historischen Überlieferungen. Der Zentralbereich um die Kirche war mittels einer Wallanlage geschützt, Funde reichen bis in die römische Kaiserzeit zurück. Seit 1418 sind amtierende Pfarrer namentlich bekannt. 1661 wird eine baufällige Kirche erwähnt. Ein Neubau wurde auf Initiative des damaligen Ortspfarrers Johann Martin Klein im Rokkokostil 1745 fertiggestellt und den Heiligen Gordian und Epimach geweiht.

Der Ortsteil Stöttwang hat heute etwa 800 Einwohner, die Gesamteinwohnerzahl mit den zugehörigen Gemeindeteilen Thalhofen, Linden, Reichenbach und Gennachhausen beträgt ca. 2000 gemeldete Personen. Stöttwang verfügt über ein eigenes Wappen.

Thalhofen

Erste urkundliche Erwähnung der „Höfe im Tal“ erfolgt 1242, bedeutender Grundherr war 1318 das Heilig-Geist-Spital Kaufbeuren. In den Folgejahren wechselten die Besitzer von Simprecht von Benzenau zu Kemnat über Jakob von Kaltental, verschiedene Kaufbeurer und Augsburger Bürger, das Kloster Irsee und Heinrich von Leinau. 1834 tauchen als Grundherren der Söldner das Kloster Rottenbuch, Hochstift Augsburg, Prädikatur und Stadt Kaufbeuren, sowie das Heilig-Geist-Spital in Erscheinung.

Die Huf-Mühle bestand seit mindestens 1289, der Mahlbetrieb wurde 1965, das Sägewerk 2002 beendet. 1725 wurde als Ersatz für die baufällige, seit 1669 bestehende, Kapelle am Niederterrassenrand der Gennach die heutige Kapelle „Maria Schnee“ mit Wallfahrerspenden errichtet und 1746 konsekriert. Patrozinium ist der 5. August. Durch Bodenfunde ist eine Besiedlungsgeschichte bis zur Jungsteinzeit nachgewiesen. Nach wechselvoller Geschichte bildet das Haufendorf Thalhofen seit der Gemeindegebietsreform am 01.05.1971 einen Ortsteil der Gemeinde Stöttwang.

Durch Ausweisung von Baugebieten stieg die Einwohnerzahl auf etwa 550 Personen an. Thalhofen beherbergt ein Ärztehaus, den Feuerwehrstandort und einen Einkaufsmarkt. Thalhofen besitzt seit 1964 ein eigenes Wappen.

Linden

Das wasserreiche Haufendorf Linden im Gennachtal war seit 1289 im Besitz eines niederen Ortsadels, bekannt sind ein Werner von Linden, eine Agnes Völkhen de Lindon, Jakob zu Landau und Dominikus Honold zu Koneberg. 1621 erwirbt das Hochstift Augsburg den Ort von Johann Melchior Ilsung von Tratzberg und bleibt bis zur Säkularisation 1803 dessen Besitzer. Auf eine 1629 abgebrochene Burg geht die Kirche St. Martin zurück, welche 1514 dem Heiligen Martin von Tours geweiht worden sein soll. Mit Baumaterial aus dem Burgabbruch wurden Teile der Jesuitenresidenz in Kaufbeuren errichtet. Im 14. Jahrhundert wird für Linden ein Reichszoll erwähnt, was auf das Vorhandensein einer bedeutenden Straße spricht.

Von Linden aus wurden im 19. Jahrhundert Dösingen und Westendorf mit Trinkwasser versorgt. Eine erstmals 1289 erwähnte Mühle wurde 1952 durch die Besitzerfamilie Vogg stillgelegt. Nordwestlich des Ortes ist durch Bodenfunde eine Siedlungsgeschichte von der Jungsteinzeit, Urnenfelderzeit, La-Tene-Zeit über die römische Kaiserzeit nachvollziehbar.

Mit den Baugebieten im Nordosten und entlang der Gennach liegt die Einwohnerzahl derzeit bei 550 Einwohnern. Linden wurde 1971 ein Ortsteil von Stöttwang.

Ein Tretbecken in der Dorfmitte lockt Besucher aus nah und fern an.

Reichenbach

Der etwa 50 Einwohner zählende Weiler Reichenbach war seit dem 12. Jahrhundert Sitz eines Ministerialgeschlechts, dessen Stammsitz oder Wappen nicht bekannt sind. Schon um 1130 wird ein Manegolt de Richenbach im Traditionsbuch des Klosters Rottenbuch aufgeführt. Das Rittergeschlecht wurde mehrfach als Zeugen in mittelalterlichen Urkunden genannt und starb wohl um 1294 aus. Reichenbach dürfte jedoch schon zur Karolingerzeit vom 831 erstgenannten Kloster Stöttwang als Ableger gegründet worden sein. Nach mehrfachem Grundherrenwechsel gelangte der am „reichen Bach“ gelegene Weiler 1611 an das Hochstift Augsburg.

Die Kirche St. Blasius wird 1674 erstmals erwähnt und von Johann Georg Fischer 1730 neu erbaut. Um das Kirchlein findet sich ein kleiner, heute aufgelassener, Friedhof.

Der landwirtschaftlich und durch Pferdewirtschaft geprägte Ort bildete bis 1971 zu seiner Eingemeindung nach Stöttwang, den Hauptort einer seit 1919 eigenen Gemeinde mit Gennachhausen.

Gennachhausen

Gennachhausen, erstmals 1329 urkundlich in Erscheinung getreten, besitzt an der westlichen Hochterrassenkante einen gut erhaltenen Burgstall eines nicht bekannten Rittergeschlechtes.

Die Grundherren wechselten im Laufe der Zeiten als baierisches Lehen über die Herren von Ursin-Ronsberg 1772 endgültig zum Hochstift Augsburg. Das Kloster Irsee besaß seit etwa 1500 bis 1803 einen 5 Hektar großen, künstlich mit Wällen angelegten, Fischweiher südwestlich des Dorfes.

Die 1770 erbaute Kapelle am Nordrand ist als Hofkapelle eines Benedikt Völk dem Hl. Antonius von Padua gewidmet. 1900 schenkte Matthäus Pfeffer die Kapelle der Ortsgemeinde Gennachhausen, nachdem die hölzerne Dorfkapelle um 1880 abgebrannt war.

Das direkt am Nordrand der FFH-Fläche Gennachmoos gelegene 100-Einwohner-Dorf ist noch vorwiegend landwirtschaftlich und durch Pferdewirtschaft geprägt. Gennachhausen bildete zeitweise mit Reichenbach, Thalhofen und Linden eine Gemeinde. Seit dem 01.07.1977 gehört das Dorf zur Gemeinde Stöttwang.

Südwestlich des Ortsrandes befand sich eine heute abgegangene Mühle. Torfstechen zählte zu einem wesentlichen Nebenerwerbszweig.

Die südlich gelegene Hammerschmiede, heute in Teilen das Gasthaus „Zum Hack“, wurde 1803 als Gipsmühle gegründet, später zur Hammerschmiede und zur Säge umgebaut. Um 1960 wurde der Betrieb beendet.

Mit dem Wasser des Rollbaches wurde von 1895 bis 1972 ein Widder betrieben, welcher Frankenried mit Wasser versorgte. Gennachhausen verfügt gemeinsam mit Reichenbach über eine eigene Trinkwasserversorgung.

Literaturverzeichnis zu den Ortsteilen

- Anton Dürr in Ostallgäu Einst und Jetzt, Band 2 – 1984 – S. 1244 – 1247

- Helmut Lausser – Rittergeschlechter und Burgen um Kaufbeuren – Band 23 – 2021

- Wendelin Hämmerle/Peter Zacher – Die Gennach – 2014

- Herusgeber Gemeinde Stöttwang – Unser Dorf im Wandel der Zeiten – 1996

- Xaver Königsberger – Chronik Gennachhausen – 2008

- Digitales Wörterbuch der Gebr. Grimm (https://www.dwds.de/wb/dwb/wang) abgefragt am   27.03.2026